Dienstag, 25. Oktober 2016

vier Jahre


Am 25. Oktober 2012 brachten Mitarbeiterinnen 
des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfe (LuZiE) 
Luca abends in dieses Haus einer Bereitschaftspflegefamilie.
Am Nachmittag desselben Tages hatten sie Luca unangekündigt 
von unserer Straße weg zu einer ärztlichen Untersuchung 
nach Ludwigshafen geholt 
und dann dort telefonisch mit dem Amtsrichter Fitterer 
Lucas Inobhutnahme ausgehandelt.
Der Ahorn und die Felsenbirne waren noch kleiner, dort im Vorgarten. 
Aber sie leuchteten ebenso in jenem Herbst.



Wenige Schritte von der neuen Unterkunft liegt ein Spielplatz, 
auch herbstlich jetzt, 
heute, 
wo ich hier stehe.




Ein kleiner Durchschlupf führt ins offene Feld.
Am Ende des Blicks liegen die Berge des Haardtrandes.
Wo ihre Rücken sich tiefer senken,
verläuft die Straße ins Tal nach Lambrecht.
Hast du das damals auch gesehen, Kind?
Hast du gefragt vor vier Jahren,
wo Lambrecht ist?
Hat jemand freundlich dir die Richtung gezeigt?





Kommentare:

  1. Liebe Stefanie,
    all das tut mir so weh - für Luca. Aber je länger ich hier dein Blog lese, umso mehr sorge ich mich auch um deine Seele. Wirst DU je wieder Frieden finden können?
    Sei behütet.
    Claudiagruß

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  2. Liebe Claudia, um meine Seele brauchst du dich nicht zu sorgen, sie ist ganz in Frieden. Das heißt aber nicht, dass sie untätig ist. Die Gewinnerin des Friedenspreises des deutschen Buchhandels hat diese Woche sinngemäß gesagt, dass unsere Freiheit darin liegt, sprechen und handeln zu können.
    Das Sprechen ist hier im Blog das Schreiben und Darstellen, auch euer aller Mitlesen. Das Handeln ist z.B. an diesen Ort gehen, wohin Luca gebracht worden war, es bebildern, verschriftlichen, bewegen.
    Ein Gedicht von Hilde Domin sagt es so:

    Dies ist unsere Freiheit
    die richtigen Namen nennend
    furchtlos
    mit der kleinen Stimme

    einander rufend
    mit der kleinen Stimme
    das Verschlingende beim Namen nennen
    mit nichts als unserem Atem

    salva nos ex ore leonis
    den Rachen offen halten
    in dem zu wohnen
    nicht unsere Wahl ist.


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  3. Und, Claudia, ich MUSS weiterschreiben!
    Weil ja täglich nach demselben Schema über Kinder entschieden wird.
    Nun ist am vergangenen Sonntag in Viersen der fünfjährige Luca zu Tode gekommen, vermutlich durch seinen Stiefvater und durch einen Gutachter, der die familiäre Situation völlig falsch einschätzte und dessen Wort mehr Gültigkeit hatte als das aufmerksamer Menschen im Umkreis.
    Unser Luca sitzt lebend im Heim, immerhin. Aber das Schema wird auch und immer noch auf ihn angewendet, dass tonangebende Personen es vermeintlich besser wissen.

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  4. Jürgen Stapelmann aus Mainz, der das Gutachten über Luca schrieb, sprach vom "Ambiente", worin sich Herkunfts- und Pflegefamilie unterschieden. Ambiente! So ein feines Wort! Diesem Ambiente schmierte Luca seinen Kot an die Wand als Hilfeschrei!
    Das ist ein Luca und noch ein Luca und noch einer und noch einer! Und in Syrien gibt es viele tote Kinder, über die kein Gutachter schreibt.
    Aber wir sind hier, und nicht im Krieg, und das hat einfach so nicht zu geschehen, als könnte man es nicht ändern und müsse es gesetzertragend hinnehmen!
    Gutachter haben Meinungen, Neigungen, Stimmungen, ebenso Sozialarbeiter, Bezugserzieher...
    Das sind nicht die Gesetze, das sind persönliche Auslegungen und Überspannungen!

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  5. Danke für deine Antworten, liebe Stefanie! Viel fällt mir dazu ein, aber das "gehört" nicht alles öffentlich.
    Du hast natürlich Recht, dass täglich viel Unheil geschieht und es gut ist, dies aufzudecken. Öffentliche Stellen schießen jedoch in vielerlei Richtung immer wieder über das Ziel hinaus und leidtragende sind IMMER die Kinder.
    Manchmal ist es tragischer Weise aus Sicht der Betroffenen vielleicht auch gar nicht das Beste, noch am Leben zu sein, mit all dem im Gepäck, was bereits passiert ist. Bestimmt weißt du, wovon ich rede?!
    Und trotzdem sorge ich mich um dich, denn auch eigentlich gesunde Seelen können irgendwann ausbrennen.
    Nochmals
    Claudiagruß

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  6. Ich lasse Dir liebe Grüsse hier
    versteh so gut was Claudia meint. Und ich spüre Deine Stärke ....
    Elisabeth

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