Mittwoch, 7. Dezember 2016

Was schön ist

Eisgeglücktes

 Brunnenfinger


Raureifrascheln

 Maisgekühltes

 Kaltgetränke

 Windgeschenke

 Handarbeiten

Wartezeiten


*


 





Dienstag, 25. Oktober 2016

vier Jahre


Am 25. Oktober 2012 brachten Mitarbeiterinnen 
des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfe (LuZiE) 
Luca abends in dieses Haus einer Bereitschaftspflegefamilie.
Am Nachmittag desselben Tages hatten sie Luca unangekündigt 
von unserer Straße weg zu einer ärztlichen Untersuchung 
nach Ludwigshafen geholt 
und dann dort telefonisch mit dem Amtsrichter Fitterer 
Lucas Inobhutnahme ausgehandelt.
Der Ahorn und die Felsenbirne waren noch kleiner, dort im Vorgarten. 
Aber sie leuchteten ebenso in jenem Herbst.



Wenige Schritte von der neuen Unterkunft liegt ein Spielplatz, 
auch herbstlich jetzt, 
heute, 
wo ich hier stehe.




Ein kleiner Durchschlupf führt ins offene Feld.
Am Ende des Blicks liegen die Berge des Haardtrandes.
Wo ihre Rücken sich tiefer senken,
verläuft die Straße ins Tal nach Lambrecht.
Hast du das damals auch gesehen, Kind?
Hast du gefragt vor vier Jahren,
wo Lambrecht ist?
Hat jemand freundlich dir die Richtung gezeigt?





Montag, 17. Oktober 2016

Viel Hausarbeit

 Viele Menschen kennen meine Geschichte,
weil sie immer hier im Blog darüber lesen.

 Oder weil sie in der Zeitung davon gelesen
oder damals in der Landesschau davon gehört haben.

 Und eine Frau
- sie ist auch eine Mama und hat vier Kinder -,
diese Frau also hat jetzt für eine Hausarbeit
meine ganze riesenlange Geschichte aufgeschrieben.

 Sie hat mit ihren Dozenten von der Hochschule gesprochen
und dann angefangen mit dem Schreiben.

 Das war so viel Arbeit,
weil so viel passiert ist mit mir!!

 Sie hat auch mit Stefanie telefoniert,
weil sie alles ganz genau und richtig wissen wollte.


Endlich war sie fertig 
und hat die ganzen Papiere abgegeben.

Die Hausarbeit heißt:

"Die Herausnahme eines Kindes aus seiner Pflegefamilie
als sekundäre Kindeswohlgefährdung
durch staatliche Intervention".


Ganz lieben Dank sage ich dafür!
Dein Luca



*





Dienstag, 27. September 2016

Omega


Vor zehn Tagen kam ich auf einer Autofahrt 
ganz ungeplant am Wegweiser "Waldsee" vorbei.
Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich,
ein weiteres Mal das Haus anzusehen,
in dem Lucas Herkunftsfamilie gewohnt hatte
und wohin er gebracht worden war
und eine Weile auch wohnte.
Ich fand es nicht gleich,
dachte, ich hätte mich in der Adresse getäuscht.
"Neuhofener Straße 37" hieß es ganz deutlich in meiner Erinnerung.

Wir waren im Mai 2013 schon dort gewesen,
hatten ein völlig verdrecktes und verwahrlostes Haus vorgefunden,
die Tür stand offen oder es gab keine.
Eine afrikanische Frau mit einem hübschen kleinen Mädchen an der Hand
kam uns aus dem Haus entgegen.

Der Gutachter Jürgen Stapelmann aus Mainz,
der Lucas Gutachten schrieb und für die sogenannte Rückführung
zur Herkunftsfamilie plädierte,
verglich - völlig nebensächlich - damals auch die beiden Wohnsituationen,
die der Herkunftsfamilie und unsere:
Dort herrsche lediglich ein anderes Ambiente.
Und: "Frau Rabenschlag, lassen Sie doch das Bubchen zu seinen Eltern!
Sie haben doch noch etwas anderes vor in Ihrem Leben!"

Ich fuhr die Neuhofener Straße in Waldsee ein zweites Mal entlang.
Nummer 39, dann der Friedhof...
Da war kein Haus Nr. 37 mehr!
Platt gemacht!
Kein Stäubchen mehr zu sehen!
Der armselige Garten lief nun direkt zur Friedhofsmauer hin,
über die ein Kreuz mit dem gekreuzigten Christus ragt.

Hat Luca sich vielleicht dort schon die Frage gestellt:
"Was haben die mit dem Jesus gemacht?"




Vom großen Eingangstor des Friedhofs 
führt eine Allee auf dieses Kreuz zu.
In das Tor eingearbeitet sind der erste und der letzte Buchstabe
des griechischen Alphabets (Α und Ω),
hier auf dem Foto der letzte, 



das Omega: Ω


*










Samstag, 17. September 2016

Beim Aufräumen entdeckt

Wie bereits angekündigt, war Luca in Begleitung von Frau Rabenschlag am 4. und 5.10.2012 im St. Anna-Stift, wo er durch eine Magnetresonanztomographie untersucht wurde.

Schon bei dem Umgang vom 27.9.2012 wies Frau Wäschle vom LuZIE Frau Rabenschlag darauf hin, dass Frau und Herr M., die leiblichen Eltern, zu diesem Termin auch ins Krankenhaus kommen wollten und dass das LuZIE wegen der beschlossenen Rückführung diesen Schritt bejahe.
Danach fand am 1.10. der Umgang statt, bei dem er ohne vorherige Absprache mit den Pflegemüttern seiner Mutter mitgegeben wurde und von dem er verstört und völlig verweint zurückkam.

 
Am 4.10. erkundigte sich Frau Wäschle telefonisch bei Frau Rabenschlag, ob die Untersuchung stattfinden würde (Luca hatte einen leichten Infekt) und kündigte nochmals das Kommen von Frau und ggf. auch von Herrn M. an.
Frau Rabenschlag ließ sich und Luca von ihrem erwachsenen Sohn Johannes zum St. Anna-Stift fahren. Luca fuhr gern mit, er geht gern zu Ärzten und auch gern ins Frühförderzentrum, so dass er gut auf diesen Termin vorbereitet werden konnte. Als ihn Frau Rabenschlag auf das Kommen seiner leiblichen Eltern vorbereitete, erstarrte er, verfiel in das typische Schaukeln jactatio corporis und sprach nicht mehr.
Im Krankenhaus war niemand, Luca entspannte sich zusehends.
Etwa 45 Minuten fand eine fröhliche Voruntersuchung statt, Luca plauderte mit Arzt und Krankenschwester, ließ ganz unbekümmert alle Untersuchungen über sich ergehen, zuckte nur leicht, als der Zugang in seine Hand gelegt wurde, keine Träne.

Als die Aufklärung über die Narkose begann, meinte Frau Rabenschlag, Luca müsste ja diesem Gespräch nicht beiwohnen. Heiter plappernd verließ er mit Johannes den Raum, kam aber Sekunden später geschockt schreiend hereingerannt, sprang Frau Rabenschlag auf den Schoß, presste sich weinend an sie und umklammerte ihren Hals.
Der Arzt, Herr Dr. Zaplinski, war sichtlich erstaunt, weil er ja zunächst nicht ersehen konnte, was diese völlige Verwandlung im Kind bewirkt hatte. Unmittelbar darauf erschienen Frau und Herr M. im Zimmer und sprachen ihre Befürchtungen wegen der Narkose aus, sie sagten, sie hätten das Sorgerecht und Frau M. sagte laut: „Luca soll ab 1. Februar 2012 bei uns leben.“ Letzteres sollte Luca ja eigentlich noch nicht erfahren.
Der Arzt fasste sich, bat sie, die Tür zu schließen und begann das Aufklärungsgespräch.
Während der ganzen Zeit, 10 bis 15 Minuten, weinte Luca laut und heftig, klammerte sich an Frau Rabenschlags Hals, verbarg seinen Kopf an ihrer Schulter und schaute immer wieder zu den beiden hin, um dann jedesmal erneut aufzuweinen und flehentlich "Mama, Mama" zu jammern.

Der Arzt beendete das Gespräch vorzeitig. Luca klammerte sich fest auf Frau Rabenschlags Arm, eine Krankenschwester brachte sie, den Jungen und Johannes Rabenschlag zum Aufzug.
Anbei wird der Arztbericht übergeben, der bestätigt, dass Luca beim Hinzukommen seiner Eltern deutlich verängstigt und panisch reagierte.
Die Untersuchung am anderen Tag verlief unproblematisch. Das Jugendamt wurde dahingegend verständigt, dass der Befundbericht den Eltern nicht in Anwesenheit von Luca mitgeteilt werden würde.
Am Samstag, den 6.10. sagte Luca zu Frau Rabenschlag: Mama, ich will nicht mehr nach Ludwigshafen (das ist für ihn die Bezeichnung für das LuZIE). Hast du das der Frau Ruhlandt gesagt?“
Heute, am Sonntagmorgen, den 7.10., sagte er nach dem Aufstehen, Waschen und Anziehen deutlich vernehmbar vor sich hin: „Er soll ab Oktober bei uns leben.“

Das zeigt, dass Luca die Worte seiner Mutter akustisch aufgenommen hat. Ob er sie schon bewusst reflektiert, ist unerheblich. An seiner panischen Reaktion ist zu erkennen, dass Luca längst spürt, dass mit ihm eine Veränderung vorgeht, die ihn ängstigt und sein Sicherheitsgefühl bedroht.


„Zu versuchen, ein Kind über den beabsichtigten, ihm drohenden Verlust seiner faktischen Eltern zu täuschen, ist aber so gut wie immer aussichtslos: Kinder sind vor dem Abschluss der Pubertät zwar im logischen Denken noch nicht so geschult wie Erwachsene; aber im Erspüren gefühlsmäßiger Zusammenhänge und im Beobachten auch unscheinbarer Anzeichen für bevorstehende Änderungen sind sie bekanntlich vielen Erwachsenen überlegen. Aus diesem Grunde sind pflichtmäßige Zusammenkünfte mit den leiblichen Eltern für Kinder, die zu ihren Pflegeeltern vertrauensvolle Kind-Eltern-Beziehungen entwickelt haben, fast zwangsläufig mit existentieller Trennungsangst verknüpft. Solche Ängste entstehen ohne jede Beeinflussung des Kindes, ja sogar entgegen verpflanzungsfreundlicher Beeinflussung seitens der Pflegeeltern. Trotz aller Bemühungen pflegen die Ängste eines Kindes von Besuch zu Besuch zu wachsen, statt abzuflauen. In verhaltensbiologischer Sicht ist diese Reaktion in der Natur des Kindes verankert: Ein Kind wäre seelisch nicht gesund, wenn es auf den sich anbahnenden Verlust seiner faktischen Eltern und damit seines Hortes der Geborgenheit nicht mit existentieller Angst reagieren würde. Was dies für ein Kind bedeutet, ist für Erwachsene, die als Kinder stets in gesicherten Verhältnissen aufwuchsen, beinahe uneinfühlbar – es sei denn, sie hätten die Leiden solcher Kinder unmittelbar miterlebt und mitempfunden. Nach einem derartigen Besuch – und allgemein unter dem Einfluss von Trennungsangst – können Kinder an Schlaflosigkeit, Essunlust und Erbrechen leiden. Sie können zu Bettnässern werden, allgemein gesundheitlich abfallen, zu Unfällen und Infektionen neigen. Sie können geistesabwesend oder aggressiv sein und in der Schule versagen“ (Hassenstein, Eltern-Kind-Beziehungen in der Sicht der Verhaltensbiologie – Folgerungen für Pflegeeltern und Pflegekinder, in: 3. Jahrbuch des Pflegekinderwesens, 2004, S. 66).



In diesem Sinne äußert sich auch Prof. Dr. Zenz (FamRZ 2007, S. 2060 bis 2063) zu der Erwartung, eine tragfähige Beziehung durch Umgangsausweitung aufzubauen, durch die ein Wechsel der Hauptbezugspersonen ermöglicht werden soll.

„Diese Erwartungen widersprechen nicht nur allen Erkenntnissen der Bindungsforschung, sondern ignorieren auch die existentielle Bedeutung einer sicheren Bindung sowie die unstreitig dramatischen Konsequenzen ihrer Zerstörung, die als Risiken bis in das Erwachsenenleben in Form von Störungen der Bindungsfähigkeit zu Partnern und eigenen Kindern nachweisbar sind. Ebenso unverständlich ist es, wenn die Angst des Kindes vor dem Verlust seiner Familie schlicht für manipuliert und also auch umgekehrt manipulierbar erklärt wird.“


Die Ausweitung des Umgangs und zwangsweise Durchsetzung hat nicht zu einer stärkeren, vertrauensvolleren Beziehung zu den leiblichen Eltern geführt - wie sicherlich von den Eltern und den MitarbeiterInnen des LuZIE erhofft -, sondern in Wirklichkeit schon jetzt zu einer erheblichen Beziehungsschädigung, wie man deutlich erkennen kann an der panikartigen Reaktion Lucas auf die Begegnung mit seinen Eltern.

Man wird jetzt einen ganz besonders behutsamen Griff tun müssen, damit Luca überhaupt wieder fähig und stabil genug werden kann, seine leiblichen Eltern unbefangen, unbeschwert zu treffen.
Eine Richtschnur für das, was nun für Luca angemessen ist, ergibt sich aus der Entscheidung des OLG Hamm vom 17.01.2011:
„Auch wenn im Grundsatz der Umgang eines Kindes mit seinen leiblichen Eltern dem Kindeswohl dient, so bedarf es jedoch nach einem Aufenthalt von mehr als 4 Jahren während des prägenden Kleinkindalters in einer Pflegefamilie und dem Nichtvorhandensein emotionaler Bindungen zur leiblichen Mutter im Einzelfall einer konkreten Abwägung zwischen der Gefährdung des Kindeswohls durch Umgangskontakte einerseits und dem rechtlich geschützten Interesse der Eltern an dem Umgang mit ihrem leiblichen Kind andererseits. Einer derartigen Gefährdung kann jedoch hier durch die Anordnung eines nur begleiteten Umgangs sowie durch eine zeitliche Begrenzung der Umgangskontakte begegnet werden.
Gerade bei Inobhutnahme eines Säuglings in einer Pflegefamilie – wie vorliegend – entwickelt sich eine Beziehung, die alle psychologischen Elemente einer gut funktionierenden Eltern-Kind-Beziehung enthält. Für das Kindeswohl spielt nämlich die Art und Weise des Zustandekommens des Pflegeverhältnisses keine Rolle. Die existentielle Eltern-Kind-Beziehung ist nicht an die leibliche Elternschaft gebunden und kann nach den Erkenntnissen moderner Kinderpyschologie zu Pfleeltern ebenso tragfähig wie zu leiblichen Eltern sein. Denn eine solche Beziehung baut sich durch Pflege und Zuwendung auf, die eine Bezugsperson dem Kind längere Zeit entgegenbringt (OLG Hamm, FamRZ 1995, 1507). Die Herauslösung eines Pflegekindes aus einer Pflegefamilie, in der es durch längeren Aufenthalt verwurzelt ist, ist deshalb mit dem Kindeswohl nur zu vereinbaren und nur zulässig, wenn sie ohne Gefahr einer erheblichen und nachhaltigen Störung der Kindesentwicklung durchgeführt werden kann. Allein schon durch zu intensive Umgangskontakte mit der leiblichen Mutter, bei denen zu befürchten ist, dass jene ihre Mutterrolle gegenüber dem erst 4jährigen Kind herausstreicht und damit die Position des Kindes in der Pflegefamilie – bewusst oder auch nur unbewusst – in Frage stellt, kann das Kindeswohl gefährdet sein. Ein Kind im Alter von 4 Jahren braucht eine feste Bindung. Dem Kind gegenüber ist offensichtlich von vornherein nie in Frage gestellt worden, dass es auf die Dauer bei seinen Pflegeeltern leben wird. Damit hat das Kind sein gesamtes bewusstes Leben im Haushalt der Pflegeeltern verbracht und diese mit den Begriffen und Vorstellungen von Familie und Eltern besetzt. Wenn es befürchten muss, dass es aus seiner sozialen Familie herausgenommen wird und zu einer völlig fremden „Mutter“ übersiedeln muss, wird es in seiner Entwicklung erheblich gefährdet. Diese Angst vor einer Herausnahme kann bei dem Kind bereits durch Verhaltensweisen der Antragstellerin entstehen, ohne dass dies von jener ausdrücklich gesprochen oder aktuell letztendlich gewollt wird. Allein durch die Betonung gegenüber dem Kind, sie sei dessen tatsächliche Mutter, wird dies erheblich in seinen sozialen Bindungen erschüttert.
Im Hinblick darauf ist sicherzustellen, dass zwar ein Umgang zwischen der Antragstellerin und ihrem Kind besteht, dieser jedoch (zumindest zunächst) in einem zeitlich eingeschränkten Rahmen stattfindet. Weiterhin muss durch die Ausgestaltung des Umgangs sichergestellt werden, dass aus Sicht des Kindes seine soziale Position im Rahmen der Pflegefamilie in keiner Weise gefährdet wird. Von daher scheiden ein längerer Aufenthalt – insbesondere mit Übernachtung – im Haushalt der Antragstellerin auf absehbare Zeit aus. (...) Eine unkontrollierte Überlassung des Kindes mehrmals im Monat für einen Zeitraum von mehrerern Stunden würde lediglich zu einer weiteren Verunsicherung des Kindes und zur Gefahr des Verlusts seiner sozialen Bindungen und damit zur Gefährdung seiner allgemeinen Sozialisation führen. (...) Zur Anbahnung und Stabilisierung einer persönlichen Beziehung zwischen Mutter und Kind hält es der Senat für erforderlich, dass Umgangskontakte an 6 Terminen im Jahr – wobei diese selbst zwischen 1 und 1 ½ Stunden andauern sollten – stattfinden. Um hierbei zu gewährleisten, dass die Antragstellerin gegenüber (dem Pflegekind) nicht in einer Art auftritt, die zu einer Erschütterung deren gefestigter Lebensumstände führt und sie von den Personen, zu denen sie eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut hat, entfremdet, können im Kindeswohlinteresse diese Umgangskontakte nur in Begleitung von Jugendamtsmitarbeitern oder von diesen beauftragten Personen stattfinden.“ OLG Hamm, 17.01.2011 (II-8 UF 133/10 = Jamt 2011, 223 ff. = FamRZ 2011, 826 f.) (Hervorhebung von der Unterzeichnerin).



Nach Einschätzung der Antragsgegnerinnen ist jetzt erst einmal eine längere Pause von den Umgängen für Luca unumgänglich. Danach kann sachte versucht werden, den Kontakt wieder herzustellen.



Abschließend noch eine Bemerkung zu dem in der Vergangenheit mehrfach angeklungenen Vorwurf, die Pflegemütter, namentlich Frau Rabenschlag, bänden Luca zu sehr an sich.
Richtig ist, dass sie Luca stets die Aufmerksamkeit und Zuwendung gegeben haben und geben, die er in der jeweiligen Lebensphase benötigt/e.

„Die Eltern-Kind-Beziehung kommt im täglichen Zusammenleben, aus der täglichen Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse nach Nahrung, Pflege, körperlichem und psychischem Kontakt zustande. Auf Seiten des neugeborenen Kindes besteht die Bereitschaft, die elementare Eltern-Kind-Bindung zu jedem Menschen herzustellen, der die Elternfunktion in dem hier umschriebenen Sinne übernimmt. Das Kind ist in keiner Weise auf seine leiblichen Eltern fixiert. Darin gibt es heute unter den diversen mit menschlicher Entwicklung befassten Wissenschaften keinen Zweifel mehr“ (Zenz, Zur Bedeutung der Erkenntnisse von Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung für die Arbeit mit Pflegekindern, in: 2. Jahrbuch des Pflegekinderwesens, 2001, S. 22 ff).

So bindet sich also zunächst und vor allem das Kind an den Menschen, der ihm all diese Bedürfnisse befriedigt (nicht umgekehrt!), denn ohne diese Beziehung würde es gar nicht überleben können.







Gabriele Zimmermann

Rechtsanwältin

7. Oktober 2012 

*

Am 25.10.2012 gegen 15:30 Uhr  erschienen Frau Lexis vom Jugendamt Rhein-Pfalz-Kreis  und Frau Wäschle vom LuZIE bei uns in der Straße 
Am Dicken Stein 63, 67466 Lambrecht, 
mit einem Schreiben der damaligen Vormündin, Frau Bossert.

Sie luden Luca gegen seinen Willen und weinend in ihr Auto 
und gaben an, ihn zu einer amtsärztlichen Untersuchung zu bringen. 
Sie untersagten mir, in ihrem Auto mit ihm zu fahren.
Mein Angebot, ihn in unserem Auto zum Amtsarzt zu bringen, 
lehnten sie ebenso ab.

Ich fuhr hinter ihnen her zum Gesundheitsamt Ludwigshafen, 
das als Adresse angegeben war. 
 
Dort erfuhr ich von der Amtsärztin, 
dass die Untersuchung in einer kinderärztlichen Praxis stattfinde, 
nämlich hier: 

Zentrum für Familienmedizin,
Dr.-Hans-Wulf-Platz 1,
67069 Ludwigshafen,
0621 669400,
Dr. Christel Petzschke. 
 

Ich fuhr dorthin. 
Nach einer Wartezeit wurde ich zur Besprechung gerufen. 
Die Ärztin und Frau Lexis sprachen mit mir. 
Währenddessen wurde Luca von Frau Wäschle fortgebracht, 
ohne dass ich ihn sah. 
Frau Lexis eröffnete mir dann, 
das sei eine Inobhutnahme, 
da ich das Kindeswohl gefährde.


Man brachte Luca am selben Abend
in eine Bereitschaftspflegefamilie in Lachen-Speyerdorf,
das ist ein Ortsteil von Neustadt/Weinstraße,
von dort zwei Monate später in seine Herkunftsfamilie nach Waldsee,
die dann nach Kaufbeuren verzog,
von dort nach Augsburg in die Kinderpsychiatrie,
von dort nach Kempten in ein Heim.



 Stefanie Rabenschlag



*



 









Montag, 29. August 2016

Auch ein HerzBaum.


Als ich Luca im Februar 2015 besuchte
 und wir in Kempten miteinander unterwegs waren,
 fragte er mich:

"Was haben die mit dem Jesus gemacht?"

Es schien, als habe man ihm davon erzählt und als könne er es nicht fassen.

Vielleicht ähnlich, wie er auch sein Schicksal nicht fassen konnte.



Dieser HerzBaum steht in der Martinskirche in Bad Bergzabern.



Dienstag, 16. August 2016

Post aus Kempten

Vor längerem hatte ich hier erzählt, 
dass Kempten, die Stadt, in der Luca derzeit lebt, 
eine Partnerstadt von Bad Dürkheim ist; 
und Lambrecht, wo wir leben, 
gehört zum Kreis Bad Dürkheim. 
Dort ist auch der Sitz unseres Jugendamtes.

In jeder der beiden Städte
ist eine Straße nach der Partnerstadt benannt:
die Kemptener Straße in Bad Dürkheim
und der Bad Dürkheimer Weg in Kempten.

Hin und wieder ersteigern wir Kleidungsstücke bei ebay.
Und auf diesem Weg kam heute eine Wollwalkweste hier an,
 so "zufällig", wie ebay-Käufe sind.

Sie kam aus Kempten.
Aus dem Bad Dürkheimer Weg.






Mal sehen, was noch kommt...



*

Samstag, 25. Juni 2016

aus Baum gemacht



Mein Traum der vergangenen Nacht:

Ich besuche Luca im Heim.
Er ist verhalten, dunkel gekleidet, still, mit kleiner Stimme:
"Warum bist du so lange nicht gekommen?"

Fast schreie ich es:
"Ich durfte nicht, Kind!
Sie haben mich nicht gelassen!"

Zwei Frauen sind da,
die ganz offen und unvoreingenommen
die ganze Geschichte hören wollen.
Ich erzähle ... wie schon so oft ... in so viele Ohren.

Weiter weg von mir sehe ich eine Gruppe von Menschen.
Sie sind nicht dort in dem Heim.
Irgendwie gehören sie zu mir,
und durch das, was sie tun, werde ich unterstützt
in meinem Bemühen um Luca.


*

Mittwoch, 6. April 2016

Who is who?








Zwei Buben,
zwei Bäume Ahorn, doch ganz verschieden.

"...So ist kein Ding vergessen,
ihm kommt ein Blütentag."






Freitag, 1. April 2016

Gute Nachricht


Dieser kleine Mensch lebt bei uns nun bald
seit zweieinviertel Jahren.
Er war sieben Monate alt, als er aus dem Krankenhaus zu uns kam.


                                          
In einem langen Versuch (oder Prozess)
stand in all dieser Zeit sein Lebensort und -weg zur Debatte.


                                      
Seit Mitte März ist das richterliche Wort gesprochen,
dass er bis auf Weiteres bei uns bleibt.


Erst jetzt mit der Osterzeit
fällt mir dazu der Stein vom Herzen...


*

Und davor steckte in diesem Fleecepulli:








































„Wenn ich ein Ziel nicht direkt erreichen kann, 
muss ich das Umfeld so verändern, 
dass das Ziel erreichbar wird.

Hans-Dietrich Genscher







Donnerstag, 24. März 2016

Geschenk



Lieber Luca,

heute hast du Geburtstag:
acht Jahre bist du!

Als ich dich besuchte im letzten Jahr,
haben wir auch viel zusammen gelesen.
Und einmal wolltest du mir vorlesen,
die "Steinsuppe", die du längst auswendig konntest,
auch schon, als du vier warst.

Nun schenke ich heute an deinem achten Geburtstag
allen, die hier lesen und an dich denken,
diese Aufnahme mitsamt deinem wundervollen Lachen!


"Wo soll ich sie hinterlassen, hinauspusten, hineinbeten, überbringen, untermalen, 
meine Glückwünsche für Luca, 
für das ferne, nahe Geburtstagskind? 
Ich hoffe, der starke, grüne Engel tue das Seine, 
segne dieses junge Leben, das so anders verläuft, 
als liebendes Menschenherz und denkender Menschenverstand 
es ihm wünschen würde. 
Mögen unsere Fragezeichen sich für ihn in Flügel verwandeln, 
immer wieder, und heute ganz besonders!"

Gabriela





Montag, 7. März 2016

Fäden

Heute der Anruf einer Frau.
Sie wohnt zwei Dörfer weiter
und möchte Deutschunterricht für Asylbewerber geben.
Ob sie bei mir hospitieren könne,
sie sei Kinderkrankenschwester
und, was den Deutschunterricht beträfe, ganz unbewandert.

Nach den Infos bezüglich des Deutschunterrichts
kommen wir noch über ihren Beruf ins Gespräch.

Sie arbeitet in Mannheim.
Erste Glocke klingelt bei mir!

Auf der Intensivstation.
Zweite Glocke!

Ich frage, wie lange sie da schon arbeite.
Fünfzehn Jahre.
Dritte Glocke, sehr laut mittlerweile!

Ich frage, ob sie sich an einen sehr schwer kranken Säugling
namens ... erinnert.
Der? Klar erinnert sie sich.
Wenn ein Kind so lange und so alleine 
auf der Intensivstation liegt, 
das vergisst man nicht.

Und natürlich will sie wissen
- und die Krankenschwestern untereinander
hätten sich das schon oft gefragt -,
was aus ihm geworden sei.

Heute hat sie die ganze traurige Geschichte erfahren
und war sehr erschüttert.


*

Sonntag, 14. Februar 2016

auf jeden Fall



Lucas Geschichte wurde zuerst beim Amtsgericht Speyer verhandelt. 
Ist ein Kind Gegenstand eines Verfahrens, bekommt es per Gericht einen Verfahrensbeistand zur Seite. Dieser - in diesem Fall diese - vertritt die Angelegenheit des Kindes. 
Und genau diese Verfahrensbeiständin ist mir heute im Diakonissenkrankenhaus Speyer, wo ich unser jüngstes Pflegekind bei seiner Genesung begleite, über den Weg gelaufen. Ich habe sie gefragt, ob sie wisse, was mit Luca geschehen sei. Er sei wohl bei seiner Herkunftsfamilie, meinte sie.
Seit heute weiß sie es besser.
Gefällt mir, der Fallentinstag!


Mittwoch, 20. Januar 2016

Ihre Stellungnahme vom 14.12.2015 zu "In fremden Händen", Süddeutsche Zeitung Magazin 50/2015

Sehr geehrte Frau Zeller,

mein Name ist Stefanie Rabenschlag. Ich arbeite seit 1999 als Pflegemutter und Sonderpädagogische Erziehungsstelle für verschiedene Jugendämter, vorwiegend für das Jugendamt Bad Dürkheim, in dessen Einzugsbereich wir leben, derzeit auch  für das Jugendamt Südliche Weinstraße.

In den oben genannten Protokollen ist die Geschichte eines unserer Pflegekinder, Luca, als Fall 6 notiert. Herr Stadler hat dazu bei uns recherchiert, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Lucas dramatische Geschichte hatten bereits unsere regionale Zeitung DIE RHEINPFALZ sowie die SWR Landesschau im Dezember 2012 berichtet.
Ich selbst habe alles in einem öffentlichen Blog dokumentiert, wo auch die Pressestimmen zu finden sind:
www.herzbaum.blogspot.de

Mit der für uns zuständigen Mitarbeiterin des Landesjugendamtes Mainz, Frau Mückusch-Radwer, hatte ich in 2012 und auch danach regen Austausch.
Sie hat sich aktiv und vor Ort gegenüber dem federführenden Jugendamt Rhein-Pfalz-Kreis und vor allem der ausführenden Stelle, dem Ludwigshafener Zentrum für individuelle Erziehungshilfe (LuZie), für Luca eingesetzt. Da sie jedoch nicht weisungsbefugt war, konnte der eingeschlagene Plan ungehindert fortgesetzt werden.

Nur wenige Fakten will ich Ihnen schildern.
Luca wurde von seinen Eltern in seiner frühen Säuglingszeit schwer krank im Stich gelassen.
Er wurde von Krankenhaus zu Krankenhaus verlegt - fünf in den ersten acht Monaten - und schließlich wegen drohender Gewaltanwendung seines Vaters in Obhut genommen.
Mit acht Monaten kam er zu uns, schon gleich mit der vom Jugendamt ausgesprochenen Option, dass dieses Kind nicht mehr seinen Lebensort wechseln sollte. Er lebte bei uns ununterbrochen vier Jahre, keine einzige Nacht verbrachte er ohne uns.
Er wurde am 25. Oktober 2012 auf offener Straße vor unserem Haus von je einer Mitarbeiterin des Jugendamtes Rhein-Pfalz-Kreis und des LuZie unangekündigt abtransportiert wie ein Sack Kartoffeln, versuchsweise gelockt mit Süßigkeiten und Bilderbuch; mir wurde dabei mit dem "großen Besteck" gedroht, das bedeutete, mit der Polizei. Eine Nachbarin, die ihren Hund ausführte und der Freund meiner Tochter, die zufällig vorbei kamen, sind ebenfalls Zeugen.
Er kam in eine Bereitschaftspflegestelle, zwei Monate lang, danach zu seiner Herkunftsfamilie, bei der er nie gelebt hatte.
Die Familie verzog schnell nach Bayern. Wie es Luca dort erging, hat mir später seine leibliche Tante erzählt. Auch in Berichten des Kaufbeurener Jugendamtes, wo wir Umgang mit Luca beantragt hatten, steht sein Elend beschrieben. Er schmierte Kot an die Wände, seine Mutter band ihm die Hände mit Strumpfhosen auf den Rücken. Er magerte entsetzlich ab. Dank der Tante und ihrer Kontakte zum Leiter des dortigen Kindergartens kam Luca nach Augsburg in die Kinderpsychiatrie.
Von dort wurde er nach Kempten in ein Heim überstellt.
Seine Eltern kümmern sich ein zweites Mal in seinem Leben nicht mehr um ihn.
Sie haben kein Sorgerecht mehr, wie schon zu Lucas Säuglings- und Kleinkindzeit.
Ich habe ihn besuchen können auf Anfrage beim Jugendamt Kaufbeuren, einige Male. Er wollte sofort wieder zu uns nach Hause, konnte das auch frei formulieren.
Er lebt in einem Heim für behinderte Kinder. Bei uns hatte er den Regelkindergarten besucht. Doch jetzt ist er wichtig als Heimplatz, mit dem gerechnet wird, besonders in einer kleinen Einrichtung.

Ich weiß nicht, wieviele Fälle Sie kennen, Frau Zeller, die an dieses grausame Kinderschicksal Lucas heranreichen. Grausam auch deshalb, weil die Taten von allen Instanzen - Jugendämtern, Richtern, Verfahrensbeiständen, Gutachter - gegenseitig bestätigt und für dem Kindeswohl dienlich befunden wurden.

Sie dürfen uns gerne besuchen. Ich kann Ihnen Akteneinsicht in einen Stapel Papiere geben, die allem, was Luca geschehen ist, den Stempel des geltenden Rechts aufdrücken.
Im Fall 6 der Protokolle des Süddeutsche Zeitung Magazins steht ein kleiner Teil der Wirklichkeit, die Luca zugefügt wurde. Den großen Teil, seinen Schmerz, seine Not, seine Tränen, seine Verlassenheit, sein Ausgeliefertsein fügen Sie bitte selbst hinzu.
Mit nur ein bisschen Professionalität, Menschenverstand und Herz war all dies mit Leichtigkeit vorauszusehen - und wurde dennoch kalt durchgezogen.

Mit freundlichen Grüßen

Stefanie Rabenschlag


*

Frau Zeller ist die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und Leiterin des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz in Mainz; sie hat hier Stellung genommen; siehe auch voriger Post vom 16.1.2016.


Samstag, 16. Januar 2016

Das hat mir gerade noch gefehlt!

Die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter,
Frau Birgit Zeller,
auch Leiterin des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz in Mainz,
nimmt Stellung zu der Veröffentlichung "In fremden Händen" 
des Süddeutsche Zeitung Magazins, Ausgabe 50/2015.


Frau Zeller, meine Antwort kommt!





Mittwoch, 6. Januar 2016

SternStunde



"Dies", sagte Meister Hora, "dies ist eine Sternstundenuhr. 
Sie zeigt zuverlässig die Sternstunden im Leben eines Menschen an - 
und eben jetzt hat eine solche Stunde begonnen."
"Was ist das - eine Sternstunde?" fragte Momo.
"Nun, es gibt im Lauf eines Menschenlebens 
immer wieder besondere Augenblicke, 
wo es sich ergibt, 
dass alle Dinge und Wesen 
bis zu den fernsten Sternen hinauf 
in ganz einmaliger Weise zusammenwirken, 
so dass etwas geschehen kann, 
was weder vorher noch nachher möglich wäre. 
Leider verstehen die Menschen sich 
im Allgemeinen nicht darauf sie zu nutzen, 
und so gehen die Sternstunden oft unbemerkt vorüber und verloren. 
Aber wenn es jemand gibt, der sie erkennt, 
dann geschehen große Dinge im Leben eines Menschen."


Michael Ende:
Die unendliche Geschichte