Sonntag, 14. Dezember 2014

Marte Meo - Schritt für Schritt aus eigener Kraft




Nähere Auskünfte bei:

Simone Ruhlandt
Abteilungsleitung Pflegekinderdienst
im Ludwigshafener Zentrum für individuelle Erziehungshilfen
0621 504 3969
simone.ruhlandt@ludwigshafen.de


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Freitag, 21. November 2014

Irrfahrt

Heute vor sechs Jahren, am 21. November 2008, kam das Kind zu uns.
Es war acht Monate alt
und hatte diese acht Monate wegen einer schweren Lungenerkrankung
in vier verschiedenen Krankenhäusern verbracht.
Seine sozialen und emotionalen Bedürfnisse 
wurden wechselnd von den jeweiligen Krankenschwestern und -pflegern gestillt.

Seit dem 21. November 2008 lebte es ununterbrochen in unserer Familie
und wurde ein Teil von ihr.


Am 25. Oktober 2012 schickte es ein System 
von Gutachter, Richtern und Sozialarbeitern des Jugendamtes 
auf eine Irrfahrt, um sein Kindeswohl zu sichern.

Seitdem ist es auf der Suche danach.



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Begründet mit den gar nicht so neuen Erkenntnissen der Bindungspsychologie
sowie dem Anwenden bereits bestehender Gesetze
wie dem § 1632 BGB (Verbleibensanordnung)
hätten Entscheidungen für das Kindeswohl
ganz offen auf der Hand gelegen.




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P.S.
samt Kostenersparnis in unserer sonderpädagogisch fachlichen Pflegestelle


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Sonntag, 9. November 2014

zum neunten November




Seit dem Abend des 24. Oktober 2014 wissen wir,
dass das Kind nicht mehr in seiner Herkunftsfamilie lebt.
Zeitweise war es in einer kinderpsychiatrischen Klinik.
Jetzt ist es in einem Heim.

Der fünfte Lebensort, nachdem es auf offener Straße abgeholt worden war,
zum Wohl des Kindes aus seinen jahrelangen Bindungen gerissen.
 Wir nannten das vor Gericht "Deportation"
und wurden dafür gerügt.


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Freitag, 7. November 2014

Bitte



Lieber Herzbaum, 
zwei Jahre standest du still für uns, 
keine Bewegung, kein Leben, 
so als hätte man dir die Wurzeln ausgerissen. 
Das Gefühl ist noch immer da, 
aber es beginnen sich kleine Knospen der Hoffnung zu bilden, 
denen wir die Zeit geben müssen, sich zu entfalten.
 Nicht dass sie schon wieder abfallen, bevor sie richtig mit Leben gefüllt sind. 
Hör nicht auf, kleiner Herzbaum, 
wir warten auf dich! 



Klaudia




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Samstag, 25. Oktober 2014

zwei Jahre




Heute sind es zwei Jahre.
Alle guten Gedanken umhüllen heute dieses zarte, verletzliche Schicksal 
und wünschen Heilung und Erfüllung.


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Samstag, 20. September 2014

heute geht's

Diese Seite, diesen Blog zu öffnen geht nicht immer. Geht oft nicht. Technisch schon. Herztechnisch nicht.

Heute geht es wieder, und so stelle ich eine kleine Geschichte ein, die ich am letzten Montag genau so erlebte.



Im Frühförderzentrum, dessen Warteraum ich betrete mit dem Kindchen auf dem Arm, sitzt eine junge Frau. Vom Leben schon gezaust, begrüßt sie mich freundlich. Auch ihr kleiner Junge, der auf dem Teppich spielt, äußert eine Begrüßung.
Ich setzte mich auf einen der Stühle, das Kindchen auf meinem Schoß.
„Wieso kommen Sie denn hierher, der sieht doch so gut aus?“, fragt sie mich nach einem prüfenden Blick auf das Kind. Ich erzähle ein bisschen von Kindchens Geschichte und dass ich die Pflegemutter bin. Ah, die Pflegemutter! Ja, sie hat eine Freundin, deren Kind auch in einer Pflegefamilie lebt. Und sie selbst habe schon Familienhilfe gehabt für sich und ihre drei Kinder.
Sie erzählt mir von den Besonderheiten ihrer Kinder, von ihrer Arbeitssuche, von ihrem Bemühen, alles auf die Reihe zu bringen, von ihrer unschönen Kindheit. „Wenn ich vielleicht in einer Pflegefamilie gelebt hätte und besser gefördert worden wäre, ginge es jetzt bestimmt leichter“, sagt sie schließlich. Dann steht sie auf und nimmt von der Therapeutin die Übungsbögen für ihren Sohn entgegen. -







Donnerstag, 31. Juli 2014

Wie vor Jahr und Tag...

Heute vor zwei Jahren, am 31. Juli 2012, 
wurde von einem deutschen Gericht, dem Oberlandesgericht Zweibrücken,
ein Urteil geschrieben über ein Kind.
Das Kind hatte seine ersten vier Lebenswochen in seiner Herkunftsfamilie verbracht,
war dann schwer erkrankt
und lag bis zu seinem achten Lebensmonat in verschiedenen Krankenhäusern,
dort unbegleitet von seiner Herkunftsfamilie.

Mit acht Monaten kam das Kind in unsere Pflegefamilie
und lebte bei uns vier Jahre,
ununterbrochen, alle Tage, alle Nächte.

Heute vor zwei Jahren, am 31. Juli 2012,
beschloss ein deutsches Gericht, das Oberlandesgericht Zweibrücken,
dass das Kind in seine Herkunftsfamilie "zurückgeführt" werden sollte.

Trotz seiner Entwicklungsverzögerung konnte das Kind deutlich äußern,
dass es nicht von uns weg wollte.
Da das Experiment "Rückführung" in diesem Fall jeglichen Erfahrungen und Erkenntnissen der Bindungspsychologie widersprach,
wurde das Argument erzeugt, wir, seine Pflegefamilie, gefährdeten sein Kindeswohl,
weil wir ihn nicht zu seiner Herkunftsfamilie gehen lassen wollten und für ihn bis zum Oberlandesgericht kämpften.

Aus diesem Grund wurde des Kindes Kindeswohl am 25. Oktober 2012 sicher gestellt,
indem es auf der Straße vor unserem Haus deportiert wurde
von Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Rhein-Pfalz-Kreis und des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfen (LuZIE).

Wie individuell diese Erziehungshilfe für das Kind  war,
zeigte sich weiterhin daran,
dass es von uns nicht etwa gleich in seine Herkunftsfamilie gebracht wurde,
sondern für zwei Monate in eine andere Pflegefamilie.

Durch einen Antrag auf Umgang mit dem Kind erfuhren wir,
dass das Kind schwer traumatisiert worden war durch diese 
individuelle Aktion für das Kindeswohl.

Wer hätte das gedacht?


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Dienstag, 15. Juli 2014

Nehmen wir an...

Nehmen wir an, ein Kind wird mit einer besonderen gesundheitlichen Situation geboren und ist dadurch über die ersten sieben bis acht Monate seines Lebens intensiver medizinischer Versorgung ausgesetzt.
Nehmen wir an, die leiblichen Eltern des Kindes nehmen aus verschiedenen Gründen nur in geringem Maß an dieser intensiven Lebensphase ihres Kindes teil.
Nehmen wir an, den behandelnden Ärzten und den das Kind versorgenden Schwestern und Pflegern fällt diese Abwesenheit sowie das geringe Einfühlungsvermögen der Eltern bei den seltenen Besuchen so stark auf, dass sie das Jugendamt darüber informieren.
Nehmen wir an, das Jugendamt nimmt fürsorglich dieses Kind in Obhut und bringt es in eine erfahrene Pflegefamilie.
Nehmen wir an, das Kind beginnt in der Pflegefamilie, sein intensivmedizinisches Leben einzutauschen gegen intensives Beziehungsleben, wodurch es recht eigentlich erst anfängt zu leben und gedeihender fröhlicher Säugling zu sein.

Nehmen wir an, man denkt, das Kind sei ein Auto, das man nach erfolgter Reparatur zurück in die Herkunftsgarage bringt.
Nehmen wir mal an...

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In wenigen Minuten alles gesagt über die Mängel und Vergehen im Pflegekinderwesen hat
Professor Dr. Ludwig Salgo, Stiftung zum Wohl des Pflegekinds, in diesem Interview.

Den Film zum Interview gibt es hier: "Familie auf Abruf - ein Zuhause für Pflegekinder".


 



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Montag, 16. Juni 2014

weiteratmen



Vor zwei Tagen, Kind, habe ich die Badetasche ausgeräumt.
Sie stand, seit du weg bist, unangetastet...
...griffbereit, um schnell einen Ausflug ins Schwimmbad zu machen,
wie wir es oft taten.
Deine Schwimmflügel steckten auch dabei,
noch prall voll mit Luft von vor anderthalb Jahren.
Sie trägt noch, siehst du, Kind!



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Samstag, 3. Mai 2014

Mir träumte in der Nacht,


dass wir uns weinend in die Arme fielen, 
das Kind und ich.

Ich war in einem Raum, eine Art Besucherzimmer vielleicht -
es kann sein, dass einige Spielsachen in einer Ecke standen -
und das Kind wurde gebracht
an der Hand einer großen, schmalen Frau.

Er trug eine dicke Winterjacke.
Sie erinnert mich an eine Jacke,
die mein großer Sohn als Kleinkind trug.

Das Kind im Traum ist bleich mit ängstlichen, fast stumpfen Augen.
Dann sieht es mich.
Es hält die Hand der schmalen Frau fest und blickt unsicher zu ihr hoch.
Dann weint es,
und ich weine.
Wir schließen uns in die Arme.


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Wegen einer Untersuchung verbrachten das Kind und ich am 4. Oktober 2012 eine Nacht im Krankenhaus.

Es hatte beim Aufnahmegespräch eine Szene gegeben,
die so gravierend war,
dass der diensthabende Arzt das dem Jugendamt Rhein-Pfalz-Kreis meldete
und im Entlassbericht ausführlich vermerkte.
Der Vormund des Kindes beim Jugendamt sowie die Mitarbeiter des Ludwigshafener Zentrums für individuelle Erziehungshilfen waren also darüber informiert.


Wie alle Warnreaktionen des Kindes auf den drohenden Abbruch 
seiner vierjährigen Lebensbindung an uns, seine soziale Familie,
wurde auch dieser "Schrei" ignoriert.

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Donnerstag, 1. Mai 2014

Wegbegleiter


Klaudia schreibt:

"Ich hab noch ein paar Worte zum Tag des Baums gefunden. 
Es betrifft die beiden Ahornbäumchen, die wir/ich im letzten Herbst hier vor unserem Firmengelände gepflanzt habe(n). 
Eines davon habe ich dem Kind und das andere Luis gewidmet. 
Wir waren der Meinung, dass es zwei gleiche Baumsorten waren,
 jedoch jetzt im Frühling zeigt sich, dass beide zwar Ahorn sind, 
aber irgendwie sehr unterschiedlich heranwachsen. 
Der eine ist etwas kleiner als der andere und Luis' Baum (links im Bild) trägt noch immer die Samen 
und will sie gar nicht abwerfen. 
Der Baum des Kindes (rechts im Bild) treibt schon enorm aus, 
wird bald Blätter tragen. 
Ich habe ein wenig recherchiert und herausgefunden, 
welche Bedeutung der Ahorn in der Mythologie hat. 
Er steht für Harmonie und Vereinigung von Gegensätzen. 
Er verbreitet Ruhe und Gelassenheit und verhilft zu klaren und offenen Gedanken. 
Er ist eine heitere und lustige Baumart. 
Man sagt ihm auch nach, dass er böse Geister vertreiben kann. 
Er kann den Menschen helfen, Hoffnungen und Träume zu erfüllen.

In diesem Sinne mögen sich in diesen beiden Symbolen für das Kind und Luis 
eure Hoffnungen und Träume erfüllen. 
Manchmal denke ich und glaube zu spüren, 
dass auch auf der anderen Seite des Kindes es nicht ganz so gewollt ist, 
dass der Kleine euch nicht mehr sehen kann, 
aber irgendwelche Hemmungen, vielleicht auch Ängste es nicht ermöglichen, 
die Brücke zu euch zurück zu bauen. 
Auf den Bildern, die heute erschienen sind von deiner Tochter und dem Kind 
ist es so klar ersichtlich,
 dass hier so gute und wundervolle Bindungen an seine soziale Familie bestanden haben und hoffentlich in ihrer Essenz noch immer vorhanden sind. 
Und das Kind denkt an euch, das ist gewiss!!"





 Durch Roswitha erreichte uns dieses Bild:
Ausschnitt aus "Lukas" von Marion Antoinette Wiedmann



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Donnerstag, 17. April 2014

Freitag, 28. März 2014

sieben auf einen Streich



Kindesanhörung
Kindesentwicklung
Kindesglück
Kindesliebe
Kindesschutz
Kindeswille
Kindeswohl



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Mittwoch, 26. März 2014

macht mit



Der kleine Luis,
dem diese Hände auf meiner Tastatur gehören,
trifft seine leiblichen Eltern alle vier Wochen beim Jugendamt.
Gestern waren wir dort,
und während die Eltern mit Luis zusammen waren,
kam ich mit der zuständigen Sozialpädagogin diesmal ins Gespräch über das HerzBaumKind.
Nachdem sie die Geschichte angehört hatte,
fiel ihr ein, dass sie damals einen Bericht darüber (siehe hier)
in der Zeitung gelesen und dabei gedacht hatte:
"Was diese Zeitungsleute wieder für einen Blödsinn schreiben!
Sowas macht doch kein Jugendamt!"



Macht aber doch.
Mit Macht.


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Montag, 24. März 2014

Auf dein Recht, Kind!



Heute hat das HerzBaumKind Geburtstag:
Es wird sechs Jahre alt.
Seine ersten vier Geburtstage,
außer dem Tag seiner Geburt am 24.3.2008,
hat er bei uns, seiner Pflegefamilie, gefeiert.
Hier hat er seine Wurzeln in die Erde gestreckt,
Kraft und Nahrung gesammelt,
sein Stämmchen wuchs gerade auf,
seine Äste und Zweige reckten sich neugierig in die Welt.
Offen und frei bewegte er sich auf die Menschen zu,
wissbegierig erkundete er die Welt um sich,
eingehüllt in die Lebensluft seiner sozialen Familie,
lebensfroh im Hin- und Herströmen der Liebe.


Bei seiner Herkunftsfamilie lebte er während seiner ersten vier Lebenswochen;
die weitere Zeit, bis er mit acht Monaten zu uns kam,
musste er schwer krank in verschiedenen Krankenhäusern verbringen.

Sein Aufblühen, das Überwinden der Krankheit,
der neu geschöpfte Lebensatem,
Überlebensatem,
die vier Jahre seines Lebens bei uns,
seines Gedeihens
und nicht zuletzt seines Rechtes darauf,
dass seine Bindungen an uns, seine soziale Familie, geschützt würden,
ließen uns für ihn kämpfen und für sein Recht, bei uns bleiben zu dürfen.

Doch das Recht war nicht auf des Kindes und unserer Seite.

Das Recht holte ihn am 25. Oktober 2012 unangekündigt ab,
auf der Straße vor unserem Haus,
mitten aus seinem Leben,
weg von seinen liebsten Menschen.

Das Recht brachte ihn in eine andere Pflegefamilie,
ohne Abschied, ohne irgendein persönliches Eigentum.
Das Recht brachte ihn zwei Monate später in seine Herkunftsfamilie,
in deren System das Kind nie gelebt hatte.

Die Familie zog bald darauf nach Kaufbeuren.

Wir stellten einen Antrag beim Amtsgericht Kaufbeuren,
dass das Kind zu uns Kontakt haben dürfe.
Das Recht hielt das für nicht dem Kindeswohl dienlich.
Gleichwohl stellte das Recht in Kaufbeuren schriftlich fest,
dass das Kind traumatisiert sei und starke Verhaltensauffälligkeiten zeige;
und das noch Monate nach der sogenannten Rückführung.


Wir haben auf das Schicksal des Kindes aufmerksam gemacht
durch Berichte in der Zeitung,
durch einen Bericht in der Landesschau,
durch eine Petition beim Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz
und schließlich durch eine Anzeige beim Staatsanwalt,
da das Jugendamt Rhein-Pfalz-Kreis noch per Vormund zuständig dafür war,
wie es dem Kind nach seiner Rückführung in Kaufbeuren erging,
diese Fürsorgepflicht jedoch verletzte.

Die verschiedenen Organe des Rechtssystems,
die bei der Durchführung und der nachträglichen Beurteilung dessen,
wie hier mit dem damals vierjährigen Kind  verfahren wurde, beteiligt waren,
begründeten sich gegenseitig,
dass sie zum Wohle des Kindes entschieden hätten.

Wir, die wir in der Entwurzelung des Kindes,
das seine gesamte frühkindliche Sozialisation in unserer Familie erlebt hatte,
eine wissentliche Kindeswohlgefährdung sahen,
wurden nicht gehört und als unprofessionell bezeichnet.


 

Das ist die Wahrheit,
und heute, an diesem 6. Geburtstag,
schreibe ich sie erneut auf für dich, Kind.


 

 Auf dein Recht, 
Kind !


 







Donnerstag, 6. Februar 2014

Zwiesprache


Die ersten Wogen dieser Ankunft sind nach drei Wochen
zu einem lebendigen Rhythmus geworden,
der allen dazu verhilft, das neue Zusammenleben zu gestalten.
Luis stellt sich mehr und mehr auf die wiederkehrenden Verlässlichkeiten ein,
bleibt aber noch verhalten und beobachtend.
Er kann lächeln über das ganze Gesicht,
zum Beispiel mit diesen Orchideenblüten
oder mit für uns nicht sichtbaren Dingen oder Wesen über ihm,
denen er seine regsame Mimik zeigt.


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Mittwoch, 22. Januar 2014

Luis hat große Wäsche.


Seit dem 15. Januar 2014 mischt ein kleiner Mensch,
er sei hier Luis genannt,
seine 62/68er-Kleidung mit in unsere Wäschetrommel.
Nach einer Anbahnungszeit mit Besuchen im Krankenhaus
und vielen mediativen Versuchen,
einer hartnäckig sparsamen Dame der AOK Hechingen
etwas Großzügigkeit zu entlocken -
bisher nicht gelungen -
haben wir nun schon die erste gemeinsame Woche miteinander verbracht.
Die Nächte sind relativ friedlich,
abgesehen von Klein-Monitor, der hin und wieder gestillt werden will.
Luis selbst schreit noch stimmlos wegen langer Intubationszeiten.
Durch unser Haus brummen zwei Sauerstoffkonzentratoren -
einer in der Schlafetage, einer in der Wohnetage -
in der Lautstärke von Kühlschränken aus Urväterhausrat.
Einer der beiden muss nachts allein in einem Zimmer schlafen,
da er wohl beim letzten Gebrauch 
einem starken Raucher zu den letzten Atemzügen verholfen hat
(wird von der freundlichen Firma jedoch bald schon ausgetauscht).
An den Sauerstoffkonzentratoren hängen 10m bzw. 15m lange Schläuche,
die das unschätzbare Oxygen in die Kindernase transportieren
und eine nicht unbeträchtliche Unfallquelle bilden,
da sie sich wie Schlangen durch die Räume winden,
wo man geht und steht.
Ein weiteres, weniger langes Schläuchlein
transportiert handbetrieben Nahrung und Flüssigkeit ebenfalls in die Kindernase.
Die Kindernase inhaliert täglich zweimal,
wobei sich Luis dazu in aufrechte Position begibt
und ebenso aufrecht die Maske des Inhalators sich vor Mund und Nase hält.
Luis macht dreimal täglich seine physiotherapeutischen Übungen,
wozu er sich längelang auf den Tisch legt 
und hochmotiviert in Bauchlage das Köpfchen hebt.
Anschließend übt er mit seinen kleinen, doch kräftigen Däumchen
Druck auf bestimmte Punkte unter seinen Rippen aus
und notiert in der Dokumentationsmappe anschließend das Wort "Vojta".
 Luis nimmt regelmäßig seine Arzttermine wahr,
bisher vier in sieben Tagen: 
Kinderarzt zur Erstkontrolle,
Kinderarzt zum Impfen, 
Augenarzt wegen eventueller Sauerstoffentwöhnung,
Hausärztin wegen der Globuli ;-) ...
Auch beim Wechseln der Sauerstoffbrille und der Nasensonde
zeigt sich Luis für sein Alter schon recht selbständig
und befestigt die Bügel und Schläuche
 mit hautsanftem Klebematerial auf seinen Bäckchen.
Dass er seine Medikamente sorgfältig einnimmt,
muss nicht extra erwähnt werden.
Gegenüber seinem Pflegepersonal ist er aufmerksam und freundlich.
Als Letztes sei erwähnt,
dass Luis streng darauf achtet,
seine Windeln regelmäßig zu wechseln.


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